Selbsthilfegruppe Bipolar-Berlin

Bipolare Störungen

Bipolare Störungen

Bipolare Störungen, auch genannt manische Depressionen verlaufen üblicherweise phasenartig, wobei die Phasen in Dauer und Intensität sehr unterschiedlich auftreten können. Die Verläufe der Krankheit sind so unterschiedlich, dass sich keine Durchschnittswerte angeben lassen.

Die Phasen sind geprägt durch extreme Hoch- und extreme Tiefstimmungen, also Manien und Depressionen

Manische Phasen

Die Manie (aus dem altgriechischen mania "Raserei, Wut, Wahnsinn") wird oft als die Gegenseite oder der Gegenteil der Depression bezeichnet

Häufige Symptome sind
- starke Erregung, innere Getriebenheit
- sehr intensive, oft unbegründete, schwer oder gar nicht nachvollziehbare gehobene, euphorische Stimmung
- oder auch unangemessene schnelle Gereiztheit, Aggressivität
- rastlose Aktivität und Unruhe
- Distanzlosigkeit, Hemmungslosigkeit, unkritisches Verhalten
- erhöhte Risikobereitschaft
- Ideenflucht (ständig neue Ideen, alles wird angefangen, immer weniger wird zu Ende gebracht),
die Gedanken folgen rasend schnell aufeinander. Assoziationen sind immer schwerer nachvollziehbar
- erhöhter Rededrang (Logorrhoe), Weitschweifigkeit
- gesteigertes Selbstbewusstsein
- Größenwahn
- starke Gewichtsabnahme
- Wahnvorstellungen
- stark vermindertes Schlafbedürfnis (subjektives Empfinden, nur sehr wenig oder gar keinen Schlaf
zu benötigen)
- gesteigerte Sexualität
- psychotische Symptome

Depressive Phasen

Depressiv, lateinisch deprimere "niederdrücken.
Depressionen zeigen sich in einer Niedergeschlagenheit, die die Betroffenen in ihrem Leben stark einschränken. Depressionen sind von einer ereignisbasierten Trauerstimmung zu unterscheiden. Depressive Menschen sind meist nicht traurig sondern schildern eher abgeschnitten von ihren Gefühlen zu sein.

Viele Menschen mit bipolaren Störungen hatten vorher jahrelang Depressionen ohne Manien.

Häufige Symptome sind
- bedrückte, verzweifelte Stimmung
- Antriebsschwäche
- alles ist anstrengend
- Freudlosigkeit
- schnelle Erschöpfung
- Ängste
- Gefühl der Hilflosigkeit
- Rückzugstendenzen (z.B. Vermeidung sozialer Kontakte, Telefonate werden nicht mehr entgegengenommen, Post wird nicht mehr geöffnet, auf das Klingeln an der Tür wird nicht mehr reagiert
- das Leben scheint sinnlos
- vermindertes Selbstwertgefühl
- Schlafstörungen (zu viel oder zu wenig Schlaf)
- Interessenverluste
- Konzentrationsstörungen
- Hemmungen
- Schuldgefühle
- Unruhe
- Gefühllosigkeit
- Gefühl der Wertlosigkeit
- leiseres Reden, weniger bis gar nicht mehr reden

Gemischte Phase (Mischzustand, Mischphase)

In gemischten Episoden kommen manische und depressive Symptome gleichzeitig vor oder in sehr schnellem Wechsel. Mischzustände werden als besonders quälend empfunden.

Betroffene Menschen können gleichzeitig sehr antriebgesteigert sein und trotzdem eine depressive Stimmung haben, die z.B. auch mit starker Gereiztheit einhergehen kann.

Ganz plötzlich und völlig losgelöst von äußeren Auslösern kann es für Minuten zu einer Hochstimmung kommen, die dann schnell wieder abflacht und in den Keller geht.

Der /die Betroffene hat wenig oder gar keinen Einfluss auf diese Stimmungen mit ihren unberechenbaren Wechseln. Der /die Betroffene fühlt sich ausgeliefert.

In Mischphasen ist das Suizidrisiko besonders stark erhöht.

Mischphasen kommen häufiger vor, als bislang vermutet wurde. Viele Betroffene entwickeln im Krankheitsverlauf auch Mischphasen.